Die Geschichte unserer Seife
Viele
unserer heutigen Körperpflegemittel hatten früher einen kultischen
Charakter. Die Reinigungszeremonien, Salbungen und Räucherungen bei
den alten Ägyptern, die Schwitzhütte der Indianer, das Saunaritual
der alten Wikinger und - die Seife. Nach Plinius d.Älteren, einem
römischen Schriftsteller, ist die “seiffa” eine Erfindung
der Gallier. Doch in Wirklichkeit ist die Seife viel älter. Bereits
auf Keilschrifttafeln der Sumerer vor fast 5000 Jahren sind Seifenrezepte
aufgeschrieben. Die Ägypter verwendeten die Seife als Kosmetikum
in Form von Salben, die auf dem Körper verteilt und dann zusammen
mit Schmutz und Schweiß wieder abgekratzt wurden. Pflanzenöle
und tierische Fette wurden mit natürlichem Natriumkarbonat oder Pflanzenaschen
verrieben. Verwendet wurden diese Mischungen als Kosmetikum, genauso aber
auch als Heilmittel gegen Gicht und Würmer sowie als Mittel zum Filzen
der Wolle.
Als besonders geschickt im Seifenkochen erwiesen sich die Araber des siebten
und achten Jahrhunderts. Sie stellten die ersten festen Seifen auf der
Basis von Olivenöl her. Mit der Ausbreitung des Islam kam die Technik
des Seifensiedens nach Südwesteuropa. So kam es, dass im Mittelalter
vor allem in Spanien, Italien und Frankreich die Kunst des Seifenkochens
vervollkommnet wurde. Das Olivenöl für die Seifenherstellung
wurde mit Hilfe von Windmühlen gepresst, und das wichtigste Requisit
der “Maitres-savonniers” war der mit Holzkohle befeuerte Siedekessel.
Durch den Zusatz von Duftstoffen, gewonnen aus verschiedenen
Pflanzen, verfeinerte man in Frankreich die Seifen. Damit war die Toilettenseife
geboren, die in Form von kosmetischen Seifenkugeln an Europas Höfen
hochgeschätzt, für die Masse der Bevölkerung aber unerreichbare
Kostbarkeiten waren. Sie wurden auch nicht zur Reinigung eingesetzt, sondern
dienten alleine kosmetischen Zwecken oder als Heilmittel und - ab etwa
1525 - zur Rasur der Männer. Seife aus den Mittelmeerländern
war ein Luxusgegenstand, den sich nur betuchte Häupter leisten konnten. |